Am 1.12. schrieb ich an die E-Mail-Adresse des DARC-Vorstandsblogs eine Mail:
Liebe Freunde,
ich habe Angst um den DARC.
Nach den zahlreichen Umbildungen und schnellen Rücktritten von Vorständlern und anderen Amtsträger kommt es mir vor wie im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier." Denn die fallweise, aber leider nicht immer veröffentlichten Gründe sind die gleichen.
Nun - seit einiger Zeit bin ich vom hauptamtlich-tätigen CQ DL-Redakteur über Stationen im Ehrenamt das, was ich nie sein wollte: eine Karteileiche im DARC. Also im Verein, aber nicht aktiv.
Immerhin ist mir der DARC aber nicht ganz egal, ich will mich also noch informieren. Dieser Holschuld meinerseits steht aber die Bringschuld des DARC gegenüber. Und hier klemmt's: In den vollkommen gleichgeschalteten Vereinsmedien gibt's keinen echten Diskurs, sondern Verlautbarungen in bestem Amtsdeutsch.
Hingegen passiert vieles ohne Vereinsöffentlichkeit im Hintergrund: Diskretion sagen die einen, Mauschelei die anderen. Aber kann man ernsthaft von einem normalen Mitglied erwarten, dass es sich irgendwie zusammenreimen muss, was in seinem eigenen Verein passiert? Dass er erstmal zig Leute anrufen muss, bis er ein ungefähres Bild von der Lage hat? Ich denke nicht, es würde auch diejenigen zu viel Zeit kosten, die sich engagieren. Aber welches Bild sollte ich mir über Vorgänge im DARC machen, wenn ich dazu nur die DARC-Medien habe? Wenn ich darin von Rücktritten lese, von merkwürdigem Ausscheiden von Mitarbeitern völlig außerhalb jeglicher normal-üblicher Kündigungsfristen, aber seltsamerweise in "bestem Einvernehmen". Jeder Mediennutzer weiß, was solche Formulierungen heißen.
Was bleibt, ist Achselzucken, zunehmendes Unverständnis und dann irgendwann Desinteresse am Verein überhaupt.
Nun habe ich ja mal für den Club gearbeitet, insgesamt wohl 14 Jahre lang. In dieser Zeit bekommt man mit, wie der Verein etwa tickt. Und im Vorstandsblog, das mangels Kommentar-Funktion strenggenommen ja gar keins ist, lese ich, dass sich in all den Jahren im Grundsatz nichts geändert hat: Jürgen Sturhahn, DL8LE, schreibt in seiner Erklärung zum Rücktritt (immerhin erscheint sie noch im Vorstandsblog!), dass er ernste Querelen mit dem Amateurrat zum Anlass nahm. Ob der nun wirklich schuld ist, kann man nicht beurteilen, immerhin gibt's aber ein Indiz: Der angesprochene Kreis hält sich mit Äußerungen auffällig zurück, wie ertappte Sünder. Selbst dann, als der Vorständler Martin Köhler, DL1DCT, ebenfalls Konflikte mit dem AR einräumt. Aber vielleicht klagt der AR heftig hinter den Kulissen, und ich als gemeines Mitglied weiß nicht, ob meine Interessenvertretung, vulgo: der Distriktsvorstand, überhaupt meine Interessen vertritt - er fragt ja nicht mich, sondern nur zweimal im Jahr seine OVVe. Was ich damit sagen will: Ich fühle mich keineswegs vertreten, und man kann mir nicht mal vorwerfen, dass ich mich nicht genügend bemühe, mich zu informieren.
Auch ich gehörte einmal einer Arbeitsgruppe an, die Konzepte für die Zukunft des Amateurfunks im DARC entwickeln sollte. Schon damals hielten wir es für einen dringend nötigen Neuanfang und wir nahmen uns - offiziell - die Worte des zuvor ins Scheitern getriebene Harry Timm, DL6HBT, zu Herzen. Er schrieb allen schon im April 1999 - also vor elf Jahren! - ins Stammbuch, was sich dringend im DARC ändern muss. Getan hat sich nichts, auch wenn jede Arbeitsgruppe immer mit einer absolut richtigen Analyse des Ist-Zustandes begann. Immer wieder sorgten Konflikte zwischen dem AR und dem Vorstand, der das ja eigentlich tun soll, für das vorzeitige Ende. Der Kern des Konfliktes: Der AR will nicht nur kontrollieren, sondern auch mitregieren. Der Vorstand hatte sich zwar guten Ideen gegenüber nie taub gezeigt, aber den Rücken muss der Vorstand für die DARC-Politik alleine gerademachen.
Und: Wenn sich der AR sich selbst gleichzeitig als Gegengewicht zum Vorstand sieht, dann heißt das, er sieht sich - politisch gesprochen - nicht nur in der "Regierung", sondern auch in der Opposition. Und sieht sich gleichzeitig durch das Wahlvolk in den Distrikten legitimiert, für alle zu sprechen. Das passt nicht zusammen - das ist und bleibt verkorkst.
Dieser Dauerkonflikt zwischen Leuten, die es - das sei unterstellt - es fraglos irgendwie alle gut meinen, die sich echt und beherzt engagieren, ist kräftezehrend. Ich meine, dass wir es uns nicht leisten können, so viele engagierte Vorständler und andere Mitarbeiter zu demotivieren. Es wird endlich Zeit, dass aus zahllosen Studien, Arbeitsgruppen-Ergebnissen und Satzungs-Flickereien endlich mal die Konsequenz gezogen wird: Weg mit der alten Mauschel-, Putsch- und Frust-Struktur, her zu mehr Transparenz und direktem Einfluss der Mitglieder. Wir brauchen einen neuen DARC. Sofort.
Vorschläge für durchgreifende Reformen gibt's schon lange. Nun ist es Zeit, sie umzusetzen - statt immer wieder neue Arbeitsgruppen einzusetzen.
Ich erhielt keine Antwort darauf.

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